{"id":668,"date":"2021-02-21T01:13:09","date_gmt":"2021-02-21T00:13:09","guid":{"rendered":"http:\/\/woodymues.de\/main\/?p=668"},"modified":"2021-08-02T17:41:06","modified_gmt":"2021-08-02T15:41:06","slug":"kopfstueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woodymues.de\/main\/2021\/02\/21\/kopfstueck\/","title":{"rendered":"kopfst\u00fcck (ausz\u00fcge)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Lesen Sie nachfolgend einige Ausschnitte aus meinem &#8220;kopfst\u00fcck&#8221; (2019).  Weitere Informationen zum St\u00fcck finden Sie <\/em><a href=\"http:\/\/woodymues.de\/main\/kopfstueck\/\" data-type=\"page\" data-id=\"345\"><strong>auf der Projektseite<\/strong><\/a><em>. Wenn Sie das gesamte St\u00fcck lesen m\u00f6chten, schreiben Sie mir bitte eine Mail an: <\/em><strong><a href=\"mailto: kontakt@woodymues.de\" data-type=\"mailto\" data-id=\"mailto: kontakt@woodymues.de\">kontakt@woodymues.de<\/a><\/strong><em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<h2><em><strong>Haus of Consciousness<\/strong><\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><em>(Textfl\u00e4che, verteilt gesprochen)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4user stehen als Symbol oft f\u00fcr die eigene Person.<br>In der Psychoanalyse, in der Musik, bildenden Kunst, in allem M\u00f6glichen.&nbsp;<br>Dieses Bild taucht \u00fcberall auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Descartes ist es ein M\u00e4nnchen im Inneren des Kopfes, ein Homunkulus, der da in der Schaltzentrale sitzt, die Kn\u00f6pfe und Regler dreht, dem Geschehen auf einer Leinwand zuschaut.<br>Er trennt also quasi K\u00f6rper und Person und setzt die Person in das Haus des K\u00f6rpers &#8211; aber dann ist der K\u00f6rper ja nur mechanisch und der Homunkulus hat wieder einen Kopf und da m\u00fcsste wieder einer drinsitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist doch viel eher so, dass das Haus in seiner Gesamtheit, also als Ganzes, die Person ist, mit seinen verschiedenen R\u00e4umen als verschiedenen Teilen der Person.<br>Und vielleicht mit mehreren Bewohnern mit eigenen Zimmern, die aber auch Teil dieser Zimmer sind, ohne klare Grenze zwischen belebtem und unbelebtem.<\/p>\n\n\n\n<p>Und manchmal f\u00fchlt es sich auch an wie Kowloon Walled City<br>dieser rechtsfreie&nbsp;Raum in Hong Kong, in dem sich von 1955 \u2013 1994 Menschen angesiedelt haben. Auf einer Fl\u00e4che von anderthalb Fu\u00dfballfeldern bauten sich die Leute ihre H\u00fctten<br>kleine Schachteln mit durchschnittlich 25 Quadratmetern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zeit wurden es immer mehr,&nbsp;<br>die Schachteln wuchsen zusammen,&nbsp;<br>\u00fcbereinander,&nbsp;<br>vierzehn Stockwerke hoch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Alles verschmolz zu einem Geb\u00e4ude, das immer weiter wucherte.&nbsp;<br>Die Hauptstra\u00dfen waren enge, dunkle Tunnel, an denen L\u00e4den und Caf\u00e9s lagen.<br>Es gab keine rechtliche Zust\u00e4ndigkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze riesige Gebilde,&nbsp;<br>dieser menschliche Ameisenhaufen,&nbsp;<br>verwaltete sich selbst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Schachteln,&nbsp;<br>immer dichter,&nbsp;<br>ein riesiges Labyrinth.&nbsp;<br>Am Ende wohnten fast 50.000 Leute dort.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wurde es abgerissen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00e4umung dauerte drei Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n\n\n\n<h2><em>Vorlaute B\u00e4ume<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>MAX<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Lauter B\u00e4ume.&nbsp;<br><em>(Pause)<\/em><br>Lauter B\u00e4umen!<br>Vor lauter B\u00e4umen!<br>Irgendwas vor lauter B\u00e4umen.<br>Da steht irgendwas vor lauter B\u00e4umen und ist nicht da.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ANDRE<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Da fehlt doch was.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MAX<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Der Wald!<\/p>\n\n\n\n<p>Da fehlt der Wald, weil ich ihn nicht sehen kann, weil er vor lauter B\u00e4umen ist die mir die Sicht versperren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sind laut. Die sind so laut die B\u00e4ume, ich kann den Wald gar nicht mehr h\u00f6ren. So wie es viel zu viele Fasern sind, um&nbsp;<em>ein<\/em>&nbsp;Seil zu bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Menge sich nicht selbst enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Menschen sich gar nicht einigen k\u00f6nnen auf den Gesellschaftsvertrag und Hobbes\u2019 Leviathan gar nicht zusammenkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Puzzleteile alle gar nicht passen um eine Europakarte zu ergeben, die ich mir aufs Klo h\u00e4ngen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FABIENNE<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Bei mir h\u00e4ngt auch eine Europakarte auf Klo!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Bei mir auch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MAX<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Und die Tiere alle viel zu intelligent sind um sich auf eine Schwarmdummheit zu einigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zelle wei\u00df doch gar nichts von ihrem Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zelle wei\u00df doch gar nichts vom Organ, das sie bildet, mit den anderen Zellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Organe sind doch Eremiten und der K\u00f6rper zerf\u00e4llt \u00fcberhaupt nicht, er wurde gar nicht erst gebildet, ist nie zur Existenz gekommen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MERY<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Es ist nicht gr\u00f6\u00dfer als die Summe seiner Teile. Es <em>gibt<\/em> das Ganze einfach gar nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MAX<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Die Zimmer bilden kein Haus, sie fliegen alle einzeln f\u00fcr sich herum, durch die Schw\u00e4rze des Weltalls. Aber sie tr\u00e4umen voneinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regentropfen fliegen nach oben. Es wird die Pf\u00fctze nie gegeben haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst nach dem Ende der Vase bemerkt die Scherbe, dass sie eine Scherbe ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n\n\n\n<h2><em>Faden of Consciousness<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>FABIENNE<\/strong><br>Fuck ich bin lost. Jetzt hab ich den Faden verloren. Irgendwo im Haus. Jetzt muss ich in mich gehen. Nein, das hei\u00dft ja,<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VERTEILT<\/strong><br>dass man sich eine Meinung bildet, oder nein, eher, dass man ersp\u00fcrt, welche Einstellung man eh schon hat.&nbsp;<br>Dass man also in sein Haus hineingeht und nachschaut, wie es da \u2013 ohnehin schon \u2013 in einem aussieht.<br><em>Deshalb<\/em>&nbsp;glaube ich auch, dass man das Haus ist&nbsp;<em>und<\/em>&nbsp;seine Bewohner. Dass es da keine klare Grenze zwischen belebtem und unbelebtem gibt, in einem.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was, wenn die Zimmer sich mit ihren Bewohnern zusammen durchs Haus bewegen, teilweise. Vielleicht nicht als Zimmer, sondern als Beeinflussung, sozusagen als Aura.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FABIENNE<\/strong> <em>(wurschtelt durch die anderen hindurch)<\/em><br>Zum Beispiel geht meine eine Bewohnerin, die, sagen wir, ganz rot ist, durch die Flure des Hauses und nimmt dabei eine Aura der roten Beeinflussung mit sich, die beim Rumgehen Teile ihrer Umgebung rot f\u00e4rbt. <em>(landet auf Punkt wieder vorne)<\/em><br>&#8230; jetzt hab ich wieder den Faden verloren. Hab ich \u00fcberhaupt einen Faden? Jetzt muss ich wieder suchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VERTEILT<\/strong><br>St\u00e4ndig muss ich suchen in diesem&#8230; f\u00fcrchterlichen Kuddelmuddel aus diesem in sich verschachtelten Haus, diesen&nbsp;<br>sich \u00fcbereinanderlegenden Erinnerungen,<br>den ineinander verwachsenen R\u00e4umen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MERYEM<\/strong><br>Manchmal will ich auch einfach raus. Und suche das drau\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VERTEILT<\/strong><br>Ich kann mich nat\u00fcrlich nicht selbst r\u00e4umen und abrei\u00dfen und da einen Park hinsetzen.&nbsp;<br>Ich kann vielleicht renovieren.&nbsp;<br>Neu streichen.&nbsp;<br>Ausbauen, neues lernen<br>aufr\u00e4umen,&nbsp;<br>Durchbr\u00fcche schaffen,&nbsp;<br>W\u00e4nde einziehen,&nbsp;<br>Zimmer zusammenlegen.<br>Umbauen, anbauen. Hier noch ein T\u00fcrmchen, da noch ein Stockwerk.&nbsp;<br>Ich kann drinnen G\u00e4rten anlegen und gl\u00e4serne R\u00e4ume mit gl\u00e4sernen Decken bauen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MERYEM<\/strong><br>Aber raus komme ich nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VERTEILT<\/strong><br>Wenn ich das drau\u00dfen suche&nbsp;<br>oder etwas&#8230; das mir auf der Zunge liegt&nbsp;<br>oder, (ganz furchtbar), eine Entscheidung,<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FABIENNE<\/strong><em> (von hinten)<\/em> <br>oder den Faden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VERTEILT<\/strong><br>baut sich hinter jeder T\u00fcr ein neuer Raum, ein neuer Flur, hinter Dachklappen sind neue Stockwerke und manchmal komme ich pl\u00f6tzlich ganz woanders wieder raus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zu dem, was ich suche, ver\u00e4ndern sich zuverl\u00e4ssig die R\u00e4ume, verformen sich die Flure, verl\u00e4ngert sich der Weg.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn in erster Linie und vor allem baut das Haus sich nat\u00fcrlich&nbsp;von selbst&nbsp;und v\u00f6llig ohne mein absichtliches Zutun um und aus. Und w\u00e4chst. Und wuchert, in alle Richtungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FABIENNE<\/strong><br>Ich brauche eine Karte!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VERTEILT<\/strong><br>Aber die m\u00fcsste ja auch st\u00e4ndig weiterwachsen, schon, wenn ich auf ihr mit dem Finger \u00fcber die R\u00e4ume fahre w\u00fcrde ich dabei nur das Papier dehnen und immer neue R\u00e4ume aus den alten rausziehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MIGUEL<\/strong><br>Wenn ich mich an jeder Abzweigung teilen k\u00f6nnte, dass ich gleichzeitig nach links und nach rechts gehe,<br><br><strong>MIG&amp;MAX<\/strong>&nbsp;<br>und an jeder weiteren Abzweigung erneut,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MIGUEL &amp; MAX&amp;ANDRE &amp; CATALINA&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br><\/strong>dass viele kleine Ichs da drin rumlaufen und suchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Ein gigantischer Suchtrupp.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE &amp; CHOR IM PUBLIKUM&nbsp;&nbsp;<br><\/strong>F\u00fcnfzigtausend Ichs!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ANDRE &amp; MAX &amp; CATALINA&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br><\/strong>Dann w\u00fcrde eines meiner Ichs vielleicht finden, was ich suche.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MERY<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Oder sogar das drau\u00dfen finden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FABIENNE<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Aber das hab ich noch nie geschafft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CATALINA<\/strong><br>Hin und wieder bin ich in einem kleinen, gem\u00fctlichen Zimmer und sitze an einem vertrauten Schreibtisch aus altem Holz. Da ist ein Fenster mit einer sch\u00f6nen Sicht auf das Drau\u00dfen, in das ich nie komme. Ein wilder Garten, hohe B\u00e4ume. Und in der Ferne sehe ich einen Lichtschein zwischen den B\u00e4umen, der von deinem Haus kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n\n\n\n<h2><em>Verbinden Sie mich bitte mit!<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>VERTEILT<\/strong> <em>(alle dr\u00e4ngeln nach vorn)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich will eine Verbindung zu dir herstellen. Es w\u00e4re hervorragend, wenn es daf\u00fcr einen einfachen, klaren Weg g\u00e4be.&nbsp;<br>Wie in so einer alten Telefonzentrale mit riesigen Regalen aus Kabeln und Anschl\u00fcssen. Einfach ein Kabel umstecken und zack, ist sie da &#8211; steht die Verbindung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei so eine Verbindung ja gar keine Ber\u00fchrung ist, oder, da ist ja dann nur eine Linie zwischen zwei Kreisen&nbsp;<br>die die beiden Kreise eben miteinander verbindet,&nbsp;<br>oder wird das alles dann zu&nbsp;<em>einem<\/em>&nbsp;Objekt&nbsp;<br>das links und rechts ganz breit ist und in der Mitte ganz schmal.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch wenn das jetzt&nbsp;<em>ein<\/em>&nbsp;Objekt ist \u2013&nbsp;<br>die beiden Kreise, also die Ausgangsobjekte, die eben noch Objekte waren und jetzt Teile von einem Verbund sind,&nbsp;<br>die ber\u00fchren sich ja dann immer noch nicht, da ist ja eigentlich nur ein d\u00fcnner Faden zwischen ihnen, den sie an beiden Enden anfassen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr so eine richtige Ber\u00fchrung m\u00fcssten die Gedanken, wie die T\u00f6ne in der&nbsp;Leitung, zwischen den beiden Kreisen rumschwirren, von einem zum anderen und dann auch da drin rum, aber&nbsp;das geht ja nicht. Egal wie pr\u00e4zise die Verbindung ist, w\u00fcrden ja die Gedanken auch nicht von dem einen zu dem anderen Kreis zischen, sondern nur&nbsp;<em>innerhalb<\/em>&nbsp;der beiden Kreise rumschwirren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei das nat\u00fcrlich mit Telefonen genauso ist. Denn es ist ja nicht so, dass genau&nbsp;<em>die<\/em>&nbsp;T\u00f6ne, die aus meinem Mund kommen, in deinem Ohr landen.&nbsp;<br>Dazwischen wird ja \u00fcbersetzt, wird codiert und decodiert. Von Schallwellen zu elektronischen Impulsen, durchs Kabel, dann wieder zu Schallwellen.&nbsp;<br>Da rei\u00dft ja dann wieder eine Kontinuit\u00e4t ab. Du h\u00f6rst nicht meine Laute, sondern ihre elektrische Kopie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da rei\u00dft ja dann wieder eine Kontinuit\u00e4t ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist die Sprache ein Werkzeug wie die Leitung. Eine M\u00f6glichkeit, Gedanken zu Worten zu machen, die im andern Kopf zu Kopien von Gedanken werden.<br>Der eine Kopf codiert, der andere decodiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist eben keine Ber\u00fchrung. Nicht die, die ich meine.&nbsp;<br>Im Inneren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da m\u00fcssen wir wieder durchs Au\u00dfen hindurchcodieren, das Au\u00dfen bleibt eine Grenze zwischen zwei Inneren.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist die Sprache ein Werkzeug und macht mich Mensch wie jedes Werkzeug st\u00e4rker und schw\u00e4cher zugleich.&nbsp;<br>(Wie ein Mensch als M\u00e4ngelwesen durch jedes seiner Werkzeuge in seinen M\u00f6glichkeiten st\u00e4rker und als K\u00f6rper schw\u00e4cher geworden ist.)&nbsp;<br>Wie viele Muskeln uns das Rad gekostet hat. Jetzt k\u00f6nnen wir zehn Felsbrocken auf einmal durch die Gegend schieben \u2013 aber den einen nicht mehr selber heben.&nbsp;<br>Jetzt kann ich total abstrakte Inhalte formulieren aber nicht mehr sp\u00fcren, ob es dir gut geht oder schlecht, ob du N\u00e4he m\u00f6chtest oder deine Ruhe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher konnte ich ziemlich viele Telefonnummern auswendig, heute kann ich mir kaum die Namen merken.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n\n\n\n<h2><em>Blaupause of Schachtelconsciousness<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>FABIENNE<\/strong><br>Ich bin ja nur ein Gedanke.<\/p>\n\n\n\n<p>In deinem Kopf. Da bin ich ja nur ein Gedanke. Jetzt gerade.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und auch gleich noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich meine, du machst dir ja ein Bild von mir. Wie du dir ein Bild von allem machst. Von diesem Boden, diesen W\u00e4nden, von der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist alles in deinem Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da bist du auch. Und da kommst du auch nicht raus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Du siehst immer nur dein Bild von mir, nie mich. Es kann sich mir ann\u00e4hern, es kann konkreter werden, komplexer, wandelhaft, vielseitig, aber es bleibt immer nur dein Bild von mir. Du siehst nie mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin in deinem Kopf, aber eben nicht ich, sondern dein Bild von mir.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Du bittest mich, dir zu folgen. Oder fragst mich, kannst du mir folgen? Da nimmst du mich dann in dein Haus mit. Da gehst du dann mit deinem Bild von mir in deinem Haus herum und zeigst mir einen Weg, und wie ein Teil deines Hauses gebaut ist. In deinem Flur geht\u2019s vielleicht erst nach links und dann in die K\u00fcche und ich renne voll gegen die Wand, weil ich denke dein Haus sei gebaut wie meines. Nein, stopp.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstmal m\u00fcssten wir \u00fcberhaupt feststellen, dass es da einen Unterschied gibt. Erstmal m\u00fcsste ich Aua schreien. Dein Bild von mir w\u00fcrde dann mitten in der K\u00fcchent\u00fcr h\u00e4ngenbleiben und einen Schritt zur\u00fcckrutschen und dann k\u00f6nntest du mir erstmal erkl\u00e4ren, dass es da nach&#8230; Moment.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Um Aua schreien zu k\u00f6nnen m\u00fcsste ich mir erstmal vorstellen k\u00f6nnen, gerade mit dir durch dein Haus zu gehen. Das hei\u00dft ich m\u00fcsste mir in meinem Haus ein lebensgro\u00dfes Modell von dem Ausschnitt von deinem Haus machen, von dem wir gerade reden und ein Bild von deinem inneren Bewohner und ein Bild von deinem Bild von mir, also von den beiden, die da gerade rumgehen. Wobei mein Bild von dem Ausschnitt von deinem Haus, von dem wir gerade reden, erstmal eher einem Ausschnitt von meinem Haus \u00e4hneln w\u00fcrde, der dem Bereich, von dem wir gerade reden, entspricht. Dort w\u00fcrde ich mein Bild von deinem Bild von mir neben meinem Bild von dir entlanggehen sehen und mein Bild von dir w\u00fcrde, aber das m\u00fcsstest du mir nat\u00fcrlich auch erstmal irgendwie sagen, sonst w\u00fcrde es gar nichts tun, links abbiegen und durch die Wand gleiten und mein Bild von deinem Bild von mir w\u00fcrde meinem Bild von dir folgen und gegen die Wand knallen und dann k\u00f6nnte ich dir sagen: aua.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann k\u00f6nntest du mir sagen, hey keine Sorge, da geht es bei mir lang, da ist die K\u00fcche. Dann k\u00f6nnte ich mein Modell von deinem Haus etwas angleichen und dich in Zukunft ein bisschen besser verstehen, wenn ich dir folgen will.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n\n\n\n<h2><em>Str\u00f6m blau of Consciousness (oder: die Jugend des Str\u00f6mblauzius Solipsissimus)<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>MIGUEL<\/strong><br>Wenn ich jetzt sage blau. Dann denkst du ja an Blau.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann haben wir ja etwas gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber vielleicht denkst du auch an etwas Blaues.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder ans betrunken sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht denkst du an ein Blau, das alles ausf\u00fcllt. Oder an einen kleinen blauen Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht denkst du an Tiefblau, oder Dunkelblau, oder T\u00fcrkis (weil f\u00fcr einige ist das ja eher etwas Blaues als etwas Gr\u00fcnes) \u2013 oder an Leuchtendblau oder Mattblau oder an Himmelblau.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht hab ich an was anderes gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann haben wir ein bisschen weniger gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber vielleicht denkst du ja auch an Gr\u00fcn! Und nennst das nur \u201eBlau\u201c. Und hast das immer schon Blau genannt. Dann k\u00f6nnen wir nichtmal dr\u00fcber reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht mal zeigen k\u00f6nnen wir uns das dann. Ich mein, sonst kann man sich ja dr\u00fcber austauschen. Kann man das vergleichen, besprechen. Am Tuschkasten, nimm noch ein bisschen Deckwei\u00df, jetzt ein bisschen Glitzer, doch noch etwas dunkler \u2013 das Blau mein ich. Oder am Computer. Der zeigt dann immer exakt das selbe Blau an. Aber wenn das f\u00fcr dich anders aussieht. Und schon immer anders ausgesehen hat. Wie soll man denn dann dar\u00fcber reden?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mein wenn das&nbsp;<em>wie<\/em>&nbsp;ich blau sehe so ist&nbsp;<em>wie<\/em>&nbsp;du gr\u00fcn siehst. Und&nbsp;<em>wie&nbsp;<\/em>du gr\u00fcn siehst so&nbsp;<em>wie&nbsp;<\/em>ich blau. Das k\u00f6nnen wir ja nie herausfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mein ich kann zeigen: da. Oder vergleichen. Wie Bl\u00e4tter. Wie Gras. Oder beschreiben. Wie Hoffnung. Wie die f\u00fcnf oder die f\u00fcnfzehn. Oder ein feuchtes Rascheln.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber alles, was ich an Sprache gelernt habe, um den Eindruck der Farbe zu beschreiben, habe ich ja mit dem Eindruck selbst verbunden. Auch wenn ich die Sonne in deinem Blau s\u00e4he, w\u00fcrde ich dieses blau \u201ewarm\u201c nennen, weil auch eine blaue Sonne ja warm w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt eine Grenze, die ich mit Sprache \u00fcberwinden will, aber die Grenze ist die Sprache selbst. Es gibt da einen&nbsp;Ort in dir, da wei\u00dft du ganz genau, wie blau f\u00fcr dich aussieht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich versuche mich verst\u00e4ndlich zu machen und immer mehr Worte hinterherschiebe, weil ich denke das macht es konkreter mich dabei aber tats\u00e4chlich nicht deinem Verst\u00e4ndnis ann\u00e4here sondern in immer komplizierteren Ausuferungen mich immer weiter entferne von dir und total gewunden dann ausdr\u00fccke, mich. Sich meine Sprache dehnt wie ein Kaugummi und ganz langgezogen trotzdem nicht die Distanz zu dir \u00fcberwindet. Und erst recht in seiner gedehnten Wabbeligkeit nicht die Grenze durchstechen kann, die das Au\u00dfen darstellt. Die die Sprache darstellt, als Bestandteil des Au\u00dfen, das so tut als k\u00f6nnte es ins Innen vordringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder ich mag etwas und du magst das nicht. Schmeckt dir das dann genau gleich \u2013 und du magst den Geschmack dann einfach nicht? Oder schmeckt dir das anders, vielleicht sogar so wie etwas, das mir auch nicht schmeckt?<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal wurde ich schon lange von dir verstanden und erkl\u00e4re mich immer weiter, w\u00e4hrend du immer weiter von mir wegr\u00fcckst, weil du immer genervter wirst, weil du mich schon lange verstanden hast.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es Momente in denen ist man ganz angebunden ans jetzt, da sp\u00fcrt man den Raum und die andern und&nbsp;kommt&nbsp;auf den Punkt. Das kann schon was ausl\u00f6sen in dir. Da k\u00f6nnen wir uns dann drauf einigen, dass uns das beiden blau schmeckt. Aber was das bedeutet und ob\u2019s f\u00fcrs uns gleich ist, das wissen wir nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt einen Ort in mir, den du.. <em>(nein)<\/em><br>Es gibt einen Ort in dir, den ich nie erreichen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesen Sie nachfolgend einige Ausschnitte aus meinem &#8220;kopfst\u00fcck&#8221; (2019). Weitere Informationen zum St\u00fcck finden Sie auf der Projektseite. Wenn Sie das gesamte St\u00fcck lesen m\u00f6chten, schreiben Sie mir bitte eine Mail an: kontakt@woodymues.de. &#8211; Haus of Consciousness (Textfl\u00e4che, verteilt gesprochen) H\u00e4user stehen als Symbol oft f\u00fcr die eigene Person.In der Psychoanalyse, in der Musik, bildenden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668"}],"collection":[{"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=668"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1043,"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668\/revisions\/1043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/woodymues.de\/main\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}